Bücher, die mir Spass machten: Andreas Pritzker, Losfahren

Schnörkellos und nüchtern berichtet die Buchhändlerin in Zürich und Mitvierzigerin Alice (Lissy) Heftmann als Ich-Erzählerin, wie sie wegen des Todes eines Onkels in Milwaukee zu dessen Beerdigung reist. Zwanzig Jahre zuvor hatte sie ein paar Jahre, zuerst bei der Familie ihres Onkels, dann zusammen mit ihrem damaligen, dann verstorbenen Ehemann dort gelebt. Weil es sich so ergibt, verliert sie vor der Abreise an die Beerdigung ihre Stelle in Zürich und bricht mit ihrem derzeitigen Freund. Nach der Beerdigung reist sie auf den Spuren von vor zwanzig Jahren durch die USA, erinnert sich an ihre damalige Ehe und ihre Zeit als Country-Sängerin und kommt zum Schluss dort an, wo es für sie stimmt.

Die Erzählung von Alice kommt so alltäglich und tagebuchmässig daher, dass man sich als Leserin, als Leser ungeduldig fragen mag, wann geschieht endlich etwas?! Genau dies aber ist der Trick des Autors: die Spannung entsteht durch das schier endlose Hinauszögern des erlösenden Ereignisses. Für die Ich-Erzählerin ist die Reise eine Suche nach Freiheit und Identität, sie hüpft hin und her zwischen der tatsächlichen Reise und ihren Erinnerungen. Sie ist unterwegs.Jack Kerouac mit seinem On the Road und auch der Film Easy Rider, unter vielen anderen, lassen grüssen. Noch in den USA hatte Alice damals, nach dem Tod ihres amerikanischen Ehemannes, die Musik für die Bücher links liegen lassen und war dann in die Schweiz zurückgekehrt.

Das bedächtige Reisen und Reflektieren sind das Besondere dieses Romans. Pritzker legt denn auch seiner Protagonistin die Worte in den Mund, die präzise einfangen, was den Reiz auch dieses Romans ausmacht: «Lesen ist ja auch nicht ganz einfach. Bücher sind fesselnd dankt Auslassungen. Der Leser muss sich vieles vorstellen können, den Text mit Bildern aus seiner eigenen Vorstellung illustrieren» (Seite 232). «Loslassen» ist ein unaufgeregter Roman der heiteren Gelassenheit, der klaren Worte und streift dabei wichtige Fragen, die sich in einem bewusst geführten Leben stellen. Die Erzählung der tatsächlichen und inneren Reise von Alice durch die USA wird, wie der Autor es sich vorstellt, lebendig durch die Bilder, die sie im Kopf der Leserin, des Lesers hervorzaubert. Kein jugendlicher Sturm und Drang. Ein Strauss von Gedanken als Ernte durchlebter Erfahrungen mit einer Perspektive, die schmunzeln macht.

 

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